Die Geschichte vom kleinen Mönch, der nicht mehr aufstehn konnte

Vor drei Jahren kam er zu mir. Das kleine Stehauf-Mönchlein mit seinem freundlichen Lächeln und der gelben Robe hatte es mir auf Anhieb angetan. Ich freute mich schon darauf, ihn in meinen Resilienzkursen als Anschauungsmaterial einzusetzen, als Symbol für die Kunst, immer und immer wieder aufzustehen, egal wie oft das Leben einen umwirft..

Lange schon hatte ich nach so einem Stehaufmännchen Ausschau gehalten, aber die grellbunten Plastikclowns oder Babyspielzeuge, die es zu kaufen gab, überzeugten mich nicht. Und dann fand ich IHN, ein kleines gelb gewandetes Zen-Mönchlein aus Buche und Walnuss, handbemalt, und so klein, dass er auf meine Handfläche passte – der perfekte Kandidat!

Also schnell bestellt, freudig erwartet, ausgepackt und ausprobiert …. aber der kleine Kerl fiel einfach um und blieb liegen, und das war’s. Nix mit Resilienz. Da lag er nun, friedlich mit geschlossenen Augen, und dachte gar nicht daran wieder aufzustehen. Er konnte nicht einmal einfach so stehen bleiben, selbst wenn ich ihn gar nicht anstupste. Ein Montagsmönch sozusagen, eine Fehlkonstruktion, Pfusch, Ausschuss….

Ich würde ihn zurückschicken und dann hoffentlich bald ein funktionierendes Exemplar bekommen… nun ja, soweit der Plan. Lacht mich aus, aber ich konnte  es einfach nicht übers Herz bringen, ihn zurückzuschicken zu einem Händler, der dafür bekannt war, zurückgeschickte Waren einfach einzustampfen. Seitdem lehnt der kleine Mönch in einer Ecke meines Bücherregals und sein freundliches Gesicht bringt mich immer wieder zum Lächeln.

Was der kleine Mönch mich über Resilienz lehrte

Und ja, er hat inzwischen auch seinen Platz in meinen Resilienz-Trainings gefunden, auch wenn er gar nicht vorführen kann, wie das geht mit dem „immer wieder aufstehen“.
Seine Lehre geht tiefer. Er zeigt, dass Veränderung immer möglich ist, selbst wenn wir so erschöpft und ausgebrannt sind, dass wir uns gerade gar nicht vorstellen können, wieder auf die Beine zu kommen.

Er ist ein echter Mutmacher! Er erinnert daran, dass wir unsere Chancen nicht daran messen sollten, ob und wie gut wir funktionieren, und ob wir den in uns gesetzten Erwartungen entsprechen. Egal ob wir alt sind oder jung, erschöpft, müde, oder krank, egal, welchen Bildungsstand wir haben, oder wie viele Knüppel uns das Leben schon zwischen die Beine geworfen hat… wir können immer Resilienz entwickeln und Veränderung bewirken. Der kleine Mönch lädt uns ein aufzustehen und loszugehen, egal wie klein die Schritte sind, und wenn nötig auch mit Hilfe.

Was Resilienz ist und was sie ausmacht

  • Resilienz, eigentlich ein Begriff aus der Werkstoffkunde, bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, mit Veränderungen umgehen zu können. Das mag ein Blech sein, dass wieder in seine ursprügliche Form zurückschnellt, sobald man aufhört es zu biegen, oder ein Baum, der sich vom Sturm beugen lässt, nur um sich danach wieder aufzurichten. Auch für die Stabilität von Ökosystemen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Strukturen spielt Resilienz eine große Rolle.
  • Bei uns Menschen steht Resilienz für die Fähigkeit, trotz belastender Erfahrungen seelisch und auch körperlich gesund zu bleiben, man könnte sie als unser seelisches Immunsystem bezeichnen.
  • Es gibt nicht „die Resilienz“ an sich – sie umfasst eine Reihe von Eigenschaften und Fähigkeiten, die individuell sehr unterschiedlich verteilt sind. Diese so genannten Resilienz-Faktoren sind uns zum Teil angeboren, werden aber auch durch frühkindliche Prägungen, das soziale Umfeld und spirituelle Faktoren beeinflusst.
  • In ihrem Zusammenspiel ermöglichen sie es uns, auch nach schweren Schicksalsschlägen, Krisen oder Erkrankungen immer wieder aufzustehen, uns neu zu sortieren und gestärkt weiterzugehen, frei nach Samuel Becket:

„Ever tried. Ever failed. No matter.
Try again. Fail again. Fail better!“ 

  • Frei übersetzt: „Immer wieder versucht. Immer wieder gescheitert. Macht nichts. Versuch es noch einmal. Scheitere noch einmal. Scheitere besser.“
  • Gut zu wissen: Resilienz ist nichts, das man entweder hat oder eben nicht. Resilienz ist erlernbar und darf immer wieder neu definiert und erübt werden. Sie kann trainiert werden wie ein Muskel – und man kann sie auch verlieren. Also: Use it or lose it!

Wann und wo ist Resilienz gefragt?

Eigentlich brauchen wir Resilienz immer. In guten Zeiten hilft sie uns dabei gesund zu bleiben, zu wachsen und kleine und größere Krisen und Herausforderungen im Alltag gut zu bewältigen – sei es im Job, in der Ausbildung oder in Beziehungen.

Ein Resilienztraining kann uns helfen, die unterschiedlichen Resilienzfaktoren harmonisch zu entwickeln und trägt so zu einem glücklichen und gesunden Leben bei.

Wirklich not-wendig wird Resilienz in existentiellen Lebenskrisen und Notsituationen, wenn Menschen unter großem Druck stehen und das Gefühl haben, unter der Last zusammenzubrechen, die auf ihnen ruht.

In erster Linie sind das lebensbedrohende Diagnosen, Dauerbelastung durch die Pflege von Angehörigen, eigene schwere und chronische Erkrankungen, der Verlust nahestehender Menschen, Tod, Unfälle und traumatische Erfahrungen.

Aber auch vorhersehbare Krisen durch Wechsel und Lebens-Übergänge, Konflikte in Partnerschaft oder Beruf, Verluste durch Trennung, Umzug oder Arbeitsplatzverlust, Misserfolge und Niederlagen können uns an die Grenzen unserer Kraft bringen. Tückisch, weil gern übersehen, ist oft auch der leise, schon zur Gewohnheit gewordene Dauerstress in Beruf, Familie und im Alltag, der oft erst bemerkt wird, wenn die Belastungsgrenze erreicht ist und der Körper deutliche Signale sendet.

Dabei sollte uns bewusst sein, dass jeder Mensch Krise anders empfindet – was sich für den einen wie das Ende der Welt anfühlt, ist für den anderen einfach ein Teil seines Weges.

Wo findet sich Resilienz in meiner Arbeit wieder?

Als Reiki-Lehrerin und -anwenderin begegne ich oft Menschen in Lebenskrisen bzw. in langfristig belastenden Lebenssituationen. Meist sind das Menschen mit Krebs oder ihre Angehörigen, Trauernde oder pflegende Angehörige.

Entspannung und Schmerzlinderung durch Reiki-Behandlungen können die Lebenskraft der Betroffenen wieder ins Fließen bringen und zeigen, dass Linderung oder gar Heilung möglich ist. Dazu bietet Reiki eine Fülle an Resilienz fördernden Werkzeugen und kultiviert eine innere Haltung, die psychische Stabilität unterstützt.

Reiki wirkt sanft und nachhaltig: das Ziel ist es nicht, etwas „wegzubehandeln“, sondern die Ressourcen der Klienten zu stärken, sie auf ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen, Ängste zu lösen und inneren Frieden zu ermöglichen.

Meine Ausbildung zur Sterbeamme hat mir zudem viele wertvolle Werkzeuge und Methoden an die Hand gegeben, so dass ich für jeden Bedarf die passenden Tools in meinem Sterbeammenköfferchen habe – mit Reiki oder auch ohne.

Mein persönliches Fazit

Das Konzept der Resilienzförderung hat meine eigene Lehr- und Beratungs-Praxis nachhaltig verändert.

Resilienz ist das Band, das sich durch die verschiedenen Bereiche meiner Tätigkeit hindurchzieht und sie miteinander verwebt. Sie ist eine wertvolle Ressource, die mich dabei unterstützt, Menschen auch in schwierigen Situationen zu begleiten und dabei selbst gesund zu bleiben.

Resilienz kann ich für mich selbst trainieren und ich kann sie auch bei anderen fördern und unterstützen. Meine eigene Erfahrung und das Wissen, das ich in verschiedenen Traditionen sammeln durfte, bieten mir dafür einen reichen Schatz an Werkzeugen, Gedanken und Geschichten.

Es ist für mich Geschenk und Herausforderung, meine Resilienz in guten wie in Krisenzeiten immer wieder zu hinterfragen, selbst daran zu wachsen und diese Erfahrung zu teilen. Und es ist mein Ja zum Leben, immer wieder.

Wenn das auch für Dich interessant ist, wenn Du herausfinden willst, wie es um Deine eigene Resilienz steht und wie Du sie trainieren kannst, dann lass uns gern einen Telefontermin vereinbaren. Du bist von Herzen willkommen.

2 Kommentare
  1. Dana sagte:

    Liebe Elke, was für ein schönes Bild mit dem kleinen Mönch. Ich habe Deinen Artikel gerne gelesen und das Thema ist einfach auch so zentral. Alles Gute für Dich, herzliche Grüße, Dana

    Antworten
    • Elke Porzucek sagte:

      Liebe Dana, herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar! Ja, die Lehre des kleinen Mönchs wird immer wieder gebraucht, gerade in der Begleitung von Menschen in Abschieds- und Krisensituationen. Und wer könnte schon diesem leisen Lächeln widerstehn 🙂 Sei von Herzen gegrüßt, ELke

      Antworten

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